Rosula Blanc | La Giette - CH 1984 Les Haudères
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Arbeit mit den Yaks

Yaks auszubilden braucht viel Zeit und Ruhe. Yaks sind nichts für ungeduldige, unausgeglichene Menschen. Auch wenn sie manchmal sehr schnell und heftig sein können, so gehen sie doch die meisten Situationen mit viel Ruhe an. Yaks sind Tiere der Kälte: überlegt, stoisch, analysieren sie eine Situation bevor sie reagieren. Man muss sie nicht drängen, sondern ihnen Zeit lassen, Geduld haben und in ihre Zeitdimension eintauchen. Auch wenn sie oft genau wissen, was von ihnen verlangt wird oder was als nächstes kommt, so nehmen sie sich doch Zeit diesen nächsten Schritt zu überlegen oder auf sich wirken zu lassen. Wenn man sie nicht drängt, gehen sie nach einigen Minuten plötzlich von selbst. Das heisst, die Zeitverzögerung war weder Dummheit noch Widersetzlichkeit, sondern ihr normales Zeitverständnis.

Ein Yak lässt sich schlecht dominieren und schon gar nicht mit Gewalt unterwerfen. Auf wiederholte Gewalt reagieren sie störrisch und aggressiv.

Yaks haben jedoch einen sehr starken Herdeninstinkt und sind geborene Nomaden, die gerne weite Strecken zurücklegen. Damit kann man arbeiten. Je mehr Zeit man mit den Yaks verbringt, desto fester binden sie sich an uns und zählen uns zur Herde. Sie lernen auf Rufe von einer Weide auf eine andere zu zügeln. Dies kann man zu grösseren Wanderungen ausbauen. Der Mensch an der Spitze der Herde muss jemand sein, den die Yaks gut kennen, er muss ruhig, aber sehr präsent sein und Vertrauen ausströmen, dann folgen die Yaks gerne. In der Yakherde ist das Tier, das an der Spitze der Herde geht, oft nicht das dominanteste Tier, sondern ein junges, forsches, energisches Tier. Deswegen ist der Mensch, der an der Spitze der Herde geht, nicht unbedingt in einer dominanten Position, aber die Yaks vertrauen ihm und sind bereit mitzuarbeiten.

Langsame, ruhige, geerdete, selbstsichere Bewegungen, Gelassenheit in allen Situationen, Zeit und Raum - und die Arbeit mit den Yaks wird zur Freude. Yak sind sehr empfindlich auf unsere Stimmungen und Gefühle. Nervosität und Aufregung übernehmen sie sofort und werden unruhig und schwierig im Umgang.

Wir müssen lernen Vertrauen zu haben: unseren Tieren zu vertrauen, dass sie das richtige tun! Yaks funktionieren am Besten in Freiheitsdressur. Je weniger physischer Zwang, desto besser arbeiten sie mit. Obwohl wir unsere Tiere an das Halfter gewöhnt haben, lassen wir sie während den Trekkings immer frei laufen, so können sie sich ihren eigenen Weg suchen, ihr Tempo selbst wählen und ihr Gleichgewicht auf steilen, schwierigen Pfaden ausbalancieren. Diese Freiheit schätzen sie sehr und arbeiten viel besser mit, als wenn sie am Halfter geführt werden.

Wenn Yaks an schwierigen Stellen anhalten, bringt es meist wenig die Tiere zu stossen und extrem zu drängen, denn dann ist das Tier nur mit dem Widerstand gegen den Menschen beschäftigt und kann nicht nachdenken, wie es das Problem lösen könnte. Man muss so präsent sein, dass das Tier nicht umdreht und weggeht, ihm aber genug Raum, Freiheit und Zeit geben, damit es nachdenken kann. Wenn es die Stelle analysiert hat, wird es einen Weg finden. Oft hilft es ein anderes Yak überholen und vorausgehen zu lassen.

Für ein Arbeitstier ist es wichtig sich an das Halfter zu gewöhnen und zu lernen auf Druck oder Zug nachzugeben anstatt Widerstand zu leisten. Ganz feine, kleine Übungen, wo das Yak auf den Zug auf das Halfter den Kopf biegen muss oder Schritt für Schritt vorwärts gehen lernt, haben sich bei meinen Tieren gut bewährt. Guter Erfolg auch mit Gewichtsarbeit im Sattel. Diese kleinen, kurzen Übungen helfen die Kommunikation aufzubauen, das Nachgeben zu verstärken, anstatt den Kampf.  Und die Tiere haben Freude etwas richtig zu machen.